GHCC Kalender
<<  Nov 2017  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
    1  2  3  4  5
  6  7  8  9101112
13141516171819
20212223242526
27282930   

Geisaer Faschingsverein feiert Jubiläum

GEISA „Neujahrsschießen, Fastnachtsbegräbnisse und alle dabei öffentlichen und ärgerlichen Spektakel sind der schwersten Strafe unterworfen“ – diese für Faschingsfreunde horrende Verordnung aus dem Jahr 1786 hat heute in Geisa zum Glück keine Gültigkeit mehr.

 
Statt dessen kann das thüringische Grenzstädtchen in diesen Tagen das 70-jährige Bestehen seines Karnevalvereins feiern.
In der traditionsreichen Geschichte des „Hinkelshagener“ Fastnachtsbrauchtums haben „Prinz Thorsten V. vom Oberrain“ (Thorsten Siebert) und seine Durchlaucht „Prinzessin Martina I. vom Bachrain zu Hinkelshagen“ (Martina Laslopp) als nunmehr 55. Prinzenpaar das Regiment übernommen.
Anders als im obigen Zitat der „Hochfürstlich Fuldischen Verordnung von der Hegung der Zeitgeschichte“ von 1786 fällt Besuchern in dem kleinen Ulsterstädtchen der Fasching heute durch die bunt geschmückten Straßen und Häuser regelrecht ins Auge.
 
Die Straßen Geisas sind mit hunderten Wimpeln bunt geschmückt. Foto: Karl-Heinz Burkhardt
 
Die Freude am Faschingstreiben musste in Geisa mehrere Dämpfer aushalten: den großen
Stadtbrand 1883, den Zweiten Weltkrieg und die Sowjetbesetzung. Die Geisaer jedoch ließen sich ihren Fasching nicht nehmen, nutzten die bestehenden Nischen und schlossen sich beispielsweise 1951 als selbständige Arbeitsgruppe dem Kulturbund an.
Nach einer Pause lebte die Tradition in der Saison 1954/55 wieder auf. Erstmals zog mit Prinz Jupp I. vom Siebenborn und Prinzessin Hildegard vom Lenzenstamm ein Prinzenpaar ins neu erbaute Kulturhaus ein. Nach einer weiteren Pause flackerte das „Flämmchen Karneval“ wieder 1961/62 auf: Die närrische Sache in Geisa kam auf Jugendinitiative unter dem Dach des „Klub der Werktätigen“ wieder ins Rollen. Dennoch: Die Machthaber in der DDR betrachteten das närrische Treiben mit Argwohn. Die Manuskripte wurden zensiert.
In den 50er Jahren entstanden die „Bürgerwehr“ und die „Schwarzen Panther“ als Schutzgarde des Prinzenpaares. 1970 wurde der Verein in „Geisa Hinkelshagener-Carneval-Club“ (GHCC) umbenannt, dessen Schlachtruf mit dem dreifachen „Zicke Zacke Zicke Zacke Geiß-ha – Hier meckert die Geiß. Hier meckert der Geißbock. Hier meckert das Geißböckchen“ weit bekannt ist.
 

Bunter Rosenmontagsumzug

 
Fremdensitzungen, Bälle und der Kehraus im Kulturhaus sind ein jährlicher Höhepunkt in der kulturellen Geschichte der Stadt, ganz zu schweigen vom bunten Rosenmontagsumzug mit seinen unzähligen Tischgruppen. Deren Kostümierungen, die stets das Augenmerk der Gäste auf sich ziehen, sind erstaunlich einfallsreich.
Als Besonderheit werden der närrischen Zeit ausgediente Christbäumchen geschmückt und entlang der zu Prinz und Prinzessin führenden Straßen aufgestellt. Vor deren Häusern bilden Tannenbäume und Wimpelbänder die so genannten Prinzenalleen. Wimpelbänder aus Dreiecksstofftüchern flattern jetzt schon über den Straßen im Wind. An dieser Tradition wolle man festhalten, sagt Ehrenmitglied Wilhelm Ritz, das sei Ehrensache.
Erstmals in dieser Kampagne wird es bis Aschermittwoch eine „Narrenstrasse“ geben, und zwar von der Regelschule bis in die Bahnhofstraße. Dies geht auf eine Wette des Prinzen mit Bürgermeister Martin Henkel (CDU) zurück. „70 Häuser, närrisch geschmückt draußen und drinnen, so werden wir die Wette mit dem Bürgermeister gewinnen“, sagte Prinz Thorsten V. vom Oberrain.
 
 

Hintergrund

Die Geschichte des Geisaer Faschings 1913 fuhr erstmals mit Prinz Karneval Rudolf I. ein Regent durch die Ulsterstadt. 1938 entschlossen sich die Geisaer, den Karneval in organisierte Bahnen zu lenken. Der Turn- und Sportverein übernahm die Initiative. Bei den Umzügen in den 70er Jahren wirkten bereits rund 500 Geisaer und Gäste mit, 1988 waren es mehr als 850. Nur mit einem gültigen Passierschein durften zu DDR-Zeiten Auswärtige in die Fünf-Kilometer-Sperrzone nach Geisa einreisen. Mehr als 140 Mitglieder zählt der GHCC, dessen Präsident heute Heribert Mohr ist. Der GHCC ist einer der wenigen in Vereine in Thüringen, die sowohl Bühnen- als auch ausgelassenen Straßenkarneval organisieren. Zum Geisaer Fasching gehören feste Tischformationen, die gemeinsam Kostüme entwerfen und anfertigen. Diese sind wichtiger Bestandteil des Umzuges. / bh
 

AM RANDE

Warum heißt Geisa auch „Hinkelshagen“?
Die Ulsterstadt Geisa trägt den Beinamen „Hinkelshagen“. Woher kommt dieser? Laut Ehrenmitglied Wilhelm Ritz hat der frühere Geisaer Buchbindergehilfe Donatus Pfannmüller, der später Klosterbruder in Fulda wurde, in den 20er Jahren in der Fuldaer Zeitung eine Artikelserie unter dem Namen „Mein Weg nach Hinkelshagen“ veröffentlicht. Dieser lagen alte Geisaer Schrullen zugrunde, wobei Namen und zum Teil auch Tatsachen in dichterischer Freiheit geändert waren. Nach einem Protestschreiben einiger Geisaer Bürger, die sich „auf den Schlips getreten“ fühlten, folgte die Einstellung der wöchentlichen Druckfolge. / bh
 
Von Karl-Heinz Burkhardt