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70 Jahre Karnevalverein

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70 Jahre Karnevalverein

Wenn in Geisa die Geiß meckert, sind die Narren los

Fastnachtstradition in der Ulsterstadt überlebte amtliche Verbote, Kriege, zwei Diktaturen und andere komplizierte Zeiten

Geisa – Vor 70 Jahren richtete der Geisaer Karnevalverein seine erste närrische Saison aus. Geisaer-Hinkelshagener-Carneval-Club

(GHCC) heißt der Verein seit 1970. Doch ist die Faschingstradition in der Ulsterstadt älter als sieben Jahrzehnte.

Aus dem Jahr 1786 stammt der erste urkundliche Beleg für das Fastnachtsbrauchtum in Geisa. In der „Hochfürstlich Fuldischen Verordnung von (der) Hegung der Zeitgeschichte“ wird die Einhaltung der geltenden Gesetze und Verordnungen angemahnt. Darin ist unter anderem vermerkt: „Das Neujahrsschießen, die sogenannten Hahlräder, Vermummungen auf Nicolai oder Christvorabend, Faßnachtsnachtsbegräbnisse und alle dabei öffentliche und ärgerliche Spektakel

sind der schwersten Strafe unterworfen.“ Der Geisaer Amtsvogt Franz Karl Gößmann schrieb in seiner „Denkschrift über den Zustand des hochfürstlichen Oberamts Geis und Rockenstuhl“ aus dem Jahr 1789: „... dergleichen (Missbräuche) waren noch beim Anfange meiner Administration die ungeschickten und die öffentliche Ruhe störenden Vermummungen an dem Vorabend des Nikolausfestes, die Faßnacht- und Kirchweihbegräbnisse, die Schwarzfärbereien wegen Verbrechen, bei den Handwerkern, die Hahlräder und Durchziehung der Fluren, bei nächtlicher Weile, mit Strohfackeln, das Spielen bei den Handwerkern, um (mit?) Messer und Karten ... vorhanden, deren Abschaffung ich mir aber durch besondere Amtsverordnungen eigens habe angelegen sein lassen, denn dergleichen Irrtümer um Mißbräuche schaden, ohne es zu wissen, und würdigen den Menschen zum Vieh herab, wohingegen Tugend und Wohlstand die Seele wandeln und den Menschen in den Stand versetzen, in jeder Verbindung des Lebens sich und andere für izt und für die Zukunft glücklich zu machen ...“

Die Rhöner feierten damals eine ganze Woche lang die Fastnacht. Los ging es mit dem „feisten Donnerstag“ – An diesem Tag musste man essen, „dass einem der kleine Finger steht“. Abschluss war stets das „Fastnachtsbegräbnis“, welches nicht selten bis in die Mittagsstunden des Aschermittwochs andauerte. An den Tagen und besonders den Abenden zwischendurch tanzten die Geisaer, am Rosenmontag gab es allerlei Mummenschanz, und am Dienstag einen Festumzug, den man später auf den Montag verlegte, wo er heute noch stattfindet. „In den Fastnachtszügen spielten drei Tiere eine besondere Rolle“, fand der Geiser Hobby-Historiker Wilhelm Ritz heraus, der sich unter anderem auch intensiv mit der Fastnachtsgeschichte beschäftigte. „Zunächst war es der Hahn, dann kam der mit Erbsstroh umwickelte Bär als ,wilder Mann‘ hinzu und seit 1880 als spezielles Symbol für Geisa die Traditionsgeiß“, schreibt er in der Rosenmontagszeitung von 1988.

Nach dem großen Stadtbrand 1883 mussten die Geisaer Narren ein paar Jahre pausieren, um dann noch toller als zuvor die Tradition wieder aufleben zu lassen. Überliefert ist, dass im „Fastnachtszug ohne Ende“ sogar angezogene Hunde und Katzen mitwirkten. Eine Gesangsgruppe unter Leitung von Richard Winter sorgte für den musikalischen Rahmen. 1913 fuhr erstmals ein närrisches Oberhaupt durch die Stadt: „Prinz Karneval“ Rudolf 1. (Braumeister Rudolf Kammandel). 20 Fahrzeuge geleiteten ihn. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Geisaer Jugend den Karneval wieder aufleben. 1923 organisierten die Ulsterstädter zum Beispiel einen großen Festumzug mit Bauernhochzeit und einem „Nasenverein“, der im „Lindensaal“ zur „feierlichen Nasenparade“ einlud.

1938 entschlossen sich die Geisaer, den Karneval endlich in organisierte Bahnen zu lenken. Der Vorstand des örtlichen Turn- und Sportvereins übernahm die Initiative und lud alle Interessierten zur Gründungsversammlung am 11. 11. selbigen Jahres in die Gastwirtschaft vom „Barönche“ (Anton Will) ein. 37 Gründungsmitglieder unterzeichneten die Urkunde, Erster Präsident wurde Adalbert Biel, der 1. Vorsitzende des Turn- und Sportvereins. „Vom Schlummer erwacht, ganz Geisa jetzt lacht“, so lautete das Motto der Saison. Beim Gastwirt Polle fand am 16. November 1938 die erste Elferratssitzung statt. Der Schlachtruf „Zicke Zacke Zicke Zacke Geisa ha!“ erklang, und die Ulsterstadt erhielt den Beinamen „Hinkelshagen“. 61 erwachsene und 38 jugendliche Mitglieder gehörten wenig später der Karnevalsvereinigung (KVG) an. Die erste närrische Saison unter Federführung des Vereins feierten die Geisaer mit Euphorie, und schon damals gab es ein Prinzenpaar, Hofdamen, Pagen, Elferrat, Bürgerwehr, Rekruten und Kolonialgruppe. Prinz Robertus I. (R. Müller) und Prinzessin Liesel vom Rockenstuhl (L. Faber) bestiegen am 12. Februar 1939 den Narrenthron. Im Januar hatte es in den Geisaer Gaststätten bereits Kappenabende mit Büttenreden und Gesang gegeben. Am 19. Februar 1939 stürmten die Karnevalisten das Rathaus, setzten den Bürgermeister und seine Stadträte gefangen. Die „Hinkelshagener Bürgergarde“ bot eine Parade, die närrischen Rekruten wurden vereidigt, im „Lindensaal“ gab es die 2. große Fremdensitzung, und am Abend war Preis-Maskenball. Der Rosenmontagsumzug am 20. Februar bestand aus 23 Bildern (Wagen und Laufgruppen).