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Narrenstab an die nächste Generation übergeben

70 Jahre Karnevalverein | Auftaktveranstaltung im Geisaer Kulturhaus stand im Zeichen des Jubiläums / Exprinzenpaare eingeladen

Geisa – 70 Jahre hat er auf dem Buckel, der Geisaer-Hinkelshagener-Carneval-Club (GHCC). Die Faschings-Tradition in der Ulsterstadt reicht sogar bis ins Jahr 1786 zurück. Trotzdem hat der Karneval kein bisschen an Schwung verloren. Das wurde auch am Eröffnungsabend der Jubiläumssaison am Wochenende im Geisaer Kulturhaus deutlich.

53 Prinzenpaare wurden in der bisherigen Geschichte des GHCC gekürt. Rund 40 Exprinzessinen und Exprinzen kamen am Samstag ins Kulturhaus, zunächst zum Sektempfang ins obere Foyer. „Es ist thüringenweit einzigartig, welche Tradition wir in Geisa hier pflegen“, sagte GHCC-Präsident Heribert Mohr. Und so viele Ex-Prinzenpaare auf einmal habe der Geisaer Karneval noch nie gesehen.

Im Saal, nach dem Einmarsch von Elferrat, Garden und der anderen Gruppen, sangen Karnevalisten und Publikum gemeinsam „Happy Birthday“. Dann heizten die Sänger Thomas vom Boxberg und Tobias aus dem Tullifeld mit Liedern die Stimmung an. In seiner Eröffnungsrede nahm Präsident Mohr unter anderem die Krise des Fußballsportvereins aufs Korn: „Plötzlich kriegt die Geiß in Geis einen riesengroßen Schreck: Ein neuer Trainingsplatz im Bau, doch die Mannschaft, die ist weg. Ist man als Verein 1866 stolz und auch älter als die TSG Hoffenheim. Man soll doch auf dem Teppich bleiben, dann fühlen sich Spieler und Trainer wie daheim.“ An das GHCC-Jubiläum erinnerte er im Refrain: „70 Jahre Karnevalverein – Es geht wieder rund in Geis am Rain.“ Der bisherige Präsident Peter Kling übergab ihm anschließend das Zepter. 21 Jahre hatte Kling dem GHCC vorgestanden, 20 Männer und ebenso viele Frauen zu Prinzenpaaren gekürt. Das Präsidentenamt sei mit viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden, gab er seinem Nachfolger mit auf den Weg, verbunden mit der Hoffnung, dass Heribert Mohr die Arbeit in seinem Sinne fortführt. „Vor 21 Jahren übernahm ich das Amt mit dem Ziel, etwas zu bewegen“, sagte Kling. Sein Nachfolger bestätigte, dass ihm das gelungen sei, überreichte ihm den „Ehrenorden des GHCC in Gold“ und ernannte ihn zum „Senator des närrischen Aufsichtsrates“. Peter Kling: „Das riecht ja wieder nach Arbeit!“ Damit hatte er nicht unrecht. So kümmert er sich beispielsweise um eine Ausstellung zur Geisaer Fastnachtsgeschichte, die anlässlich des 70-jährigen Vereinsbestehens spätestens zur Prinzenkürung gezeigt werden soll. Hierfür werden übrigens noch Zeitzeugnisse gesucht, von Bildern, Dokumenten, Requisiten bis hin zu Erinnerungen. Mohr gab zudem eine Wette bekannt, die er mit Bürgermeister Martin Henkel geschlossen hat, nämlich, dass der GHCC es schaffen wolle, entlang des Weges in der Innenstadt, den der Rosenmontagszug nimmt, 70 Fenster närrisch zu gestalten und so eine „Rosenmontagsstraße“ zu gestalten. „Ihr habt bestimmt noch Kostüme oder Orden. Bringt sie zu euren Freunden, die in diesen Straßen wohnen“, forderte er die Geisaer auf.

Die Grüne Garde unter Leitung von Regina Kath begann am Samstag ihre „Abschiedstournee“. In dieser Formation wollen die Tänzerinnen nur noch in dieser Saison auftreten.

Auch beim Protokoll gab es einen Generationswechsel. Der langjährige Protokollchef Jürgen Coburger hatte das Amt an Ulf-Peter Neiße übergeben, und dieser meisterte mit Bravour seinen ersten Vortrag, eine Powerpoint-Präsentation über die vergangene Saison, die er in der Bütt kommentierte. „Es ist der Narren größtes Glück, wenn alle ziehn an einem Strick“, wählte er als Motto. So berichtete er auch vom Ex-Prinzenschlagen des vergangenen Jahres, dessen Ergebnis ein Spielplatz am Geisaer Kulturhaus ist. „Bei der jetzigen Finanzkrise wird klar – Geldanlage Spielplatz, einfach wunderbar!“, meinte er. Neiße begleitet seit mehreren Jahren die GHCC-Kampagnen fotografisch und betreut die Homepage des Vereins, während Heribert Mihm stets mit seiner Videokamera unterwegs ist und bewegte Bilder einfängt. Beide wurden für ihre Arbeit mit Orden geehrt.

Das Exprinzenschlagen, 1990 von Peter Kling ins Leben gerufen, dient traditionell einem guten Zweck. Diesmal mussten Prinz Gunar IV. vom Siebenborn und Prinzessin Natalie II. vom Fürstenstein Eintrittskarten für ein Benefizkonzert verkaufen, welches am 30. November um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche Geisa stattfindet. Der Kammerchor „Canticum Novum“ unter Leitung von Dr. Hans Aschenbach wird singen, und der Erlös kommt dem Verein „Elterninitiative Leukämie- und Tumorerkrankter Kinder Suhl/Erfurt“ zugute. Mehr als 400 Tickets verkauften die närrischen Tollitäten bereits.

Ein großes Kaspertheater baute der „Türkenbund“ auf der Bühne auf. Ihr Beitrag stand ebenfalls mit dem 70-jährigen Vereinsbestehen des GHCC, nahm aber auch die Straßenbaustellen in der Geisaer Innenstadt auf die Schippe. Aus Bermbach kamen Bänkelsänger Frank Schultes und dessen Vater Klaus Schultes. Wurst, Schinken und eine „Hutzel“ überreichten sie dem Elferrat und an Peter Kling ein Bild. „Ich wusste gar nicht, dass man aus Meerschweinchen auch Schinken machen kann“, lästerte Kling. „Wir hoffen, dass die Schoppensänger, wenn sie nach Bermbach kommen, nicht nur Blutwurst mitbringen“, konterte Klaus Schultes. Bänkelsänger Frank beschäftigte sich unter anderem mit der Finanzkrise: „Wer bezahlt die Zeche, wer füllt den Topf? Der Steuerzahler, der arme Tropf.“ Auch Lieder vom Rasenmähen und von neugierigen Nachbarn gab er zum Besten. In die 70er-Jahre entführte die Showtanzgruppe aus Großenbach das Publikum: „Best of Abba“ und „Boney M“, präsentierten die Tänzerinnen. Auch die Rote Garde unter Leitung von Claudia Nimmich-Heller zeigte ihr Können.

Den Präsidenten-Wechsel beim GHCC, das Geisaer Fußball-Dilemma, Finanzkrise und Politik nahm Matthias Bott in seiner Bütt auf die Schippe. „Der Nordpol schmilzt, die Börse kracht. Egal, wir feiern Foasenacht“, schlussfolgerte er.

Jahrzehnteweise in Blöcken getrennt, so marschierten die Ex-Prinzenpaare durch den Saal, um auf der Bühne auf einer Chortreppe Aufstellung zu nehmen. Karl-Josef Schürmann, selbst ein Ex-Prinz, sang das Finallied „Mei Geis am Rain“ und „So ein Tag“. Auf der Tanzfläche und im Saal verteilt eröffneten die Paare dann den Tanz – mit dem Schneewalzer. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Band „HalliGalli“. Unter den Gästen war auch der CDU-Landtagsabgeordnete Manfred Grob.   sach

 

 

 

Der bisherige GHCC-Präsident Peter Kling übergab den Narrenstab an seinen Nachfolger Heribert Mohr

 

 

 

 


Exprinzenpaare aus 70 Jahren Karnevalsgeschichte
sangen auf der Bühne mit Karl-Josef Schürmann. Fotos (2): Stefan Sachs